Stadtkirche Heidelsheim „Dom des Kraichgaus“

Frühe GeschichteStadtkirche mit Turm

Der Standort der heutigen Stadtkirche in der Merianstraße 20 hat eine lange Tradition. 1418 wird erstmals die Kapelle „Unserer lieben Frau“ erwähnt, sie wurde 1501 zur Hauptkirche von Heidelsheim. Um 1540 wurde sie durch einen Neubau ersetzt.

Seit der Reformation nutzten die drei Heidelsheimer Kirchengemeinden (römisch-katholische, reformierte und lutherische Kirche) zunächst für fast zwei Jahrhunderte gemeinsam.

Nach der Zerstörung der Kirche im Jahr 1689 durch die Truppen von König Ludwig XIV und dem teilweisen Wiederaufbau wurde die Kirche 1705 aufgeteilt. Die katholische Kirche erhielt den Chorraum, die reformierte Gemeinde das Langhaus. Sie waren ab 1711 durch eine Wand getrennt. Die lutherische Gemeinde errichtete eine eigene Kirche an einem anderen Ort, sie wurde nach der Kirchenunion in Baden 1820 verkauft und nicht mehr zu religiösen Zwecken genutzt.

1905/1906 wurde die evangelische Stadtkirche an der Stelle des alten Langhauses errichtet.

Kirchturm

Der heutige Kirchturm wurde am 18. Oktober 1868 eingeweiht. Er ist – einschließlich des 2,45m großen Turmkreuzes insgesamt 50,13m hoch. Im selben Jahr wurden auch die Turmuhren installiert. Die für den Turm jeweils beschafften Glocken wurden in beiden Weltkriegen eingezogen. Am 5. Dezember 1948 wurden die heutigen drei Glocken eingeweiht.

Heutige Stadtkirche

Der Grundstein der heutigen Stadtkirche wurde am 13. August 1905 gelegt. Der Kirchenneubau erfolgte passgenau zwischen der alten kath. Kirche und dem 1868 erbauten Kirchturm und sollte Platz für 1.100 Besucher bieten. Die Einweihung erfolgte am 30. September 1906.

Das architektonisch gut gelungene Kirchengebäude mit dem schlanken Turm wird von den Gemeindegliedern oft als „Dom des Kraichgaus“ bezeichnet.

Stadtkirche AltarraumDie Kirche wurde im Stil der Neugotik errichtet und als griechisches Kreuz gestaltet. Der Kirchenbau steht mit seiner polygonalen zeltförmigen Holzdecke und der sichtbaren Zugankerkonstruktion in der Folge der evangelischen Adaption des Petersdomes. Der Plan stammt aus der Feder des Baumeisters Rudolf Burckhardt, Vorstand der Evangelischen Kirchenbauinspektion Karlsruhe.

Die Gestaltung des Innenraums folgt stilistisch der neugotischen äußeren Erscheinung der Kirche. Die Ausmalung des Kirchenraums ist sehr vielfältig. Während die gemalten Vorhänge im Altarraum noch neugotisch gehalten sind, sind die floralen Elemente und ganz besonders die Engelsdarstellungen an der Chorwand dem Jugendstil zuzuordnen. Sie wurden von dem Karlsruher Dekorationsmaler und Tünchergeschäft Albert Maeyer ausgeführt.

Stadtkirche Orgel mit EmporeDie Glasfenster der Kirche sind unterschiedlich gestaltet und meist bleiverglaste Fenster mit Randverzierungen. Schmuckstücke sind die Fenster in den beiden Emporen der Seitenschiffe, die Darstellungen von Luther und Melanchthon zeigen. Sie wurden von Glasmaler Glatz, Karlsruhe und B ild- und Steinhauer August Friedrich, Mühlbach erstellt. Die beiden Bilder im Chor zeigen den Guten Hirten und die Auferstehung Jesu. Letzteres wurde aus der alten Kirche übernommen.

Die heutige Orgel wurde im Jahre 1929 angeschafft. Es handelt sich um eine pneumatische Orgel mit 32 Registern, 3 Manualen und Pedal. Sie ist bestückt mit 2.500 Pfeifen. Sie wurde durch die Orgelbaufirma Gebrüder Link, Giengen/Brenz gebaut.

aus „100 Jahre Evang. Stadtkirche, 300 Jahre Alte Kath. Kirche“